Geburtenflaute: Frauen ohne Kinderlust

Macht nur nochmal deutlich, dass die geringe Geburtenrate in Deutschland maßgeblich strukturelle und kulturelle Gründe hat.

Gute Zusammenfassung der neuen Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (wichtigste Seiten: 55 + 56).

17.12.12

Babyfüße mit Turnschuhen und Schnuller

© mdworschak/Fotolia.com

München (netdoktor.de) – Deutsche Frauen bekommen immer weniger Sprösslinge. Die Geburtenentwicklung in Deutschland ist rückläufig, seit Jahren. Im weltweiten Vergleich hat Deutschland mittlerweile den höchsten Anteil an dauerhaft kinderlosen Frauen. Und wenn, dann werden Frauen erst in höherem Alter Mütter. Warum das so ist, untersuchte jetzt eine neue Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung im Auftrag der Bundesregierung.

„Mutter gehört zum Kind“

Ein wesentlicher Grund für die Frauen sei, dass Familie und Beruf hierzulande schwer zu vereinbaren seien – trotz Elternzeit und einem Rechtsanspruch auf einen Kinderkrippenplatz ab 2013. Zudem fühlten sich berufstätige Mütter gesellschaftlich wenig anerkannt – das gilt vor allem für den Westen. „Das Leitbild der ‚guten Mutter‘ ist hier noch immer sehr präsent“, schreiben die Autoren.

Die Mutter gehöre zum Kind, bis zum dritten Lebensjahr solle es nicht in Kindertagesstätten betreut werden, nur weil die Mutter berufstätig sein wolle. Aussagen wie: „Ein Vorschulkind wird darunter leiden, wenn seine Mutter arbeitet“, finden im Westen eine wesentlich höhere Zustimmung. So entschieden sich immer mehr Frauen für den Beruf und gegen Kinder. Die Geburtenrate ist unter Hochqualifizierten und Alleinlebenden besonders niedrig.

Ein Kind im Osten

Anders im Osten: Hier gibt es mehr Betreuungsangebote für Kinder und es ist gesellschaftlich akzeptiert, dass Frauen sowohl berufstätig als auch Mütter und Hausfrauen sind. Der begrenzende Faktor für die Kinderzahl sind hier eher die unsicheren Zukunftsperspektiven und die schwierige ökonomische Lage. So wird in ostdeutschen Familien oft nur ein Kind geboren.

Platz elf in Europa

Deutschland zählt heute zu den Niedrig-Fertilitäts-Ländern. Im europaweiten Vergleich befindet sich das Land auf Platz elf. Im Jahr 2010 lag die Geburtenrate bei 1,39 Kindern. 1960 hatte noch jede Frau 2,3 Kinder geboren. Zu den europäischen Ländern mit der höchsten Geburtenrate zählen Island (2,20), Irland (2,07), die Türkei (2,04) und Frankreich (2,01). Am unteren Ende befinden sich Lettland (1,17), Bosnien und Herzegowina (1,20) sowie Andorra (1,22) und Ungarn (1,25).

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