Feminismus

– hä?

Sich als Feminist oder Feministin zu bezeichnen klingt in den Ohren der allermeisten als vertagt, männerfeindlich oder als ein indirektes Lesben-Coming-out.
Es gibt bereits genügend gute Quellen, die mit diesem Vorurteil aufzuräumen versuchen, daher möchte ich nicht nochmal alles niederschreiben, sondern auf die bereits existierenden Inhalte verweisen.
Für die Bildungswilligen habe ich unter will mehr wissen eine Infosammlung zusammengestellt, die stetig erweitert wird.

Kurzdefinition:

  • Fordert Gleichstellung und Selbstbestimmung von Männern und Frauen!
  • Fokussiert sich vor allem auf frauenpolitische Themen, schließt Männern jedoch ganz klar mit ein!
  • Hinterfragt und kritisiert herrschende Macht- und Hierarchieverhältnisse! Ganzheitlicher Blick auf das Gesamtgesellschaftliche.
  • Setzt sich aus absolut heterogenen Strömungen zusammen –> es gibt nicht den Feminismus!

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Warum ist es mir neben Gender-Mainstreaming und Gleichstellungspolitik trotzdem wichtig mich zusätzlich als Feministin zu bezeichnen?

Gleichstellungspolitik ist für mich der gesellschaftliche Überbau bzw. das Fundament. Als deren Vertreterin bin ich Teil der Männer- und Frauenbewegung gleichzeitig. Hier geht es darum die Rechte von Frauen und Männern zu wahren. Als Feministin bin ich die Vertreterin der „Frauenlobby„. Feminismus ist zwar frauenpolitisch fokussiert, schließt Männer jedoch klar mit ein. Wohlbemerkt sitze ich mit den „Männerlobbyisten“ an einem Tisch!

Wäre ich ein Mann, würde ich mich der profeministischen Männerbewegung zuordnen und mich mit männerpolitischen Themen auseinandersetzen. Die Tatsache, dass ich eine Frau bin und somit frauenpolitische Interessen viel eindeutiger identifizieren kann, macht mich zur Feministin. Für mich hat die Auseinandersetzung mit feministischen Themen eine Stärkung meiner Identität als Frau und meiner Stellung in der Gesellschaft zu tun. Ganz elementar: Als Feministin hinterfrage ich kritisch Macht- und Systemverhältnisse und versuche mich nicht von diesen vereinnahmen zu lassen. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass das vorherrschende Patriarchat Ursache für die Benachteiligung, Bevormundung,  Einschränkung und Zementierung der Geschlechterrollen beider Geschlechter ist. Dies gilt es auszugleichen, zu bekämpfen oder bestenfalls zu überwinden. Eine Männerbewegung ist übrigens dann profeministisch, sobald sie die Systemfrage stellt und Diskriminierungen von Männern ebenfalls als Systemfehler verortet. Unter dem Patriarchat leiden nicht nur Frauen, sondern ebenso Männer.

Gleichstellungs-, Frauen- oder Männerpolitik in Deutschland lösen noch lange nicht schwerwiegende Probleme, denen sich weltweit speziell Frauen gegenübersehen. Diese gravierenden Probleme treten in Staaten und Kulturen auf, die bisweilen noch nichts von Feminismus gehört haben. Denen eine „übermäßige Frauenförderung“ also nicht vorzuwerfen ist, wie aus dem rechten Lager der Männerrechtsbewegung oft zu vernehmen. Auch die Ursachen deren Probleme sind in dem kulturell verankerten Vorrecht des Mannes/ Patriarchats zu suchen. Hier ist also Solidarität angesagt, selbst wenn „wir“ europäische Feministen und Feministinnen nicht in voller Härte direkt davon betroffen sind:

  • Organisierter Menschenhandel, Zwangsprostitution
  • Systematisches Abtreiben weiblicher Föten (Statusproblem, Verschuldungsrisiko durch Mitgift, …)
  • Vergewaltigungskulturen (rape culture)
  • Vergewaltigung als Kriegsstrategie
  • Fernhalten von Mädchen und Frauen aus Bildung, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft
  • Einschränkungen der sexuellen, politischen, familiären Selbstbestimmungsfreiheit
  • Verstümmelungen und Morde im Namen der sogenannten „Ehre“
  • Genitalverstümmelungen

Dazu kommt, dass ich im Gegensatz zum Mann schwanger werden kann. Hieraus leiten sich spezielle Anforderungen an mein sexuelles Selbstbestimmungsrecht ab. Schwangerschaft ist der einzige Punkt in dem sich keine Gleichstellung herstellen lässt. Nur Frauen können schwanger werden, genau deswegen können Männer niemals einen Anspruch auf das Austragen eines Kindes stellen; das wäre schlicht Körperverletzung gegenüber der Frau. Die Entscheidung, ob man als Frau schwanger sein bzw. werden möchte oder nicht, liegt einzig und allein bei der Frau. Diese Entscheidung muss selbstbestimmt gefällt werden. Selbstbestimmtheit fällt nicht vom Himmel, die muss man sich durch Auseinandersetzungen mit der Materie erarbeiten.
Man darf sich also nicht scheuen, sich mit Verhütungsmitteln, Notfallverhütung wie der „Pille danach“ und für auswegslose Situationen mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch zu beschäftigen.

Die Auseinandersetzung mit Verhütungsmitteln grundsätzlich hat für mich einen sehr feministischen Charakter. Ich halte es für unzumutbar, dass Frauen sich bisher mehrheitlich mit Hormonen zuschütten, die zum Teil starke Auswirkungen auf ihren Organismus, und auf jeden Fall negative ökologische Auswirkungen haben. Ist die weibliche Fruchtbarkeit etwa eine chronische Krankheit, die tägliches Pilleneinwerfen – also eine Hormontherapie – erfordert? Als es Anstrengungen gab eine Pille für den Mann zu entwickeln, wurden die Forschungen eingestellt, als die Nebenwirkungen für Männer unzumutbar schienen. Wohlbemerkt waren dies dieselben Nebenwirkungen, unter denen Frauen seit Bestehen der Pille leiden. Nur sollen diese sich im Gegensatz zu Männern ganz offensichtlich damit abfinden.

Monatshygiene ist auch so ein Schlagwort. Schonmal was von der Menstruationstasse gehört?

Achso, und im Übrigen denke ich nicht, dass Frauen die besseren Menschen sind; es keine Kriege geben würde, ohne Männer oder was auch sonst noch in den Begriff Feminismus so herein interpretiert wird.

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